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L i z e n z e n

aus:

Prof. Dr. Walter Krämer & Götz Trenker:

Lexikon der populären Irrtümer.

500 kapitale Missverständnisse, Vorurteile und Denkfehler

von Abendrot bis Zeppelin

 

Unter dem Stichwort "Lizenzen" heißt es bei den Autoren über den "Irrtum"

"Lizenzen schützen den Verbraucher":

 

Die Schranken vor allen möglichen Berufen, ob Prüfungen, Diplome, Erlaubnisscheine oder Lizenzen, werden seit jeher genauso monoton wie falsch mit dem Schutz des Publikums begründet. Wenn etwa der Zentralverband der Fußpfleger Deutschlands auf strenge Gesetze für die Berufsausübung der Fußpfleger drängt, so offiziell, um uns vor unqualifizierten Fußpflegern zu schützen und weil es „beschämend (ist), dass man in diesem Land mit einer miesen Ausbildung am menschlichen Körper arbeiten darf"; wenn der deutsche Zentralverband der Krankengymnasten mindestens drei Ausbildungsjahre für alle Berufsanfänger fordert, dann allein „im Interesse der krankengymnastisch zu betreuenden Patienten". Von Frisören über Immobilienmakler und Taxifahrer bis zu Rechtsanwälten und Schornsteinfegern: wenn es darum geht, das Publikum vor Scharlatanen und Nichtskönnern zu schützen, kennen unsere Standesfunktionäre keine Gnade.

Wie aber die Indizien zeigen, ist dieser Schutz des Kunden immer nur vorgeschoben; in Wahrheit geht es einzig und allein um die Interessen der etablierten Anbieter, die sich „ihre Honorarsuppe nicht verdünnen" lassen wollen, wie ein deutscher Ärztefunktionär das einmal in seltener Offenheit formulierte. Denn diese Qualitätskontrollen werden immer nur für Neulinge gefordert; ist ein Arzt, Apotheker, Anwalt, Schornsteinfeger erst einmal in Amt und Würden, kann er machen was er will.

Ein weiteres Indiz: Es sind immer die Anbieter selber, nie die Kunden, die Lizenzen und Berufsbarrieren fordern, und damit ist auch klar, wen diese Schutzmaßnahmen wirklich schützen: selten das allgemeine Publikum, immer aber die, die die Forderung erheben. „Die offizielle Rechtsfertigung ist immer die gleiche", schreibt Wirtschafts-Nobelpreisträger Milton FRIEDMAN, „nämlich den Konsumenten zu schützen. Die wahren Motive werden aber durch die Lobbies deutlich, die in den gesetzgebenden Körperschaften für Zulassungsbeschränkungen kämpfen. Denn diese Lobbyisten sind unweigerlicher Vertreter der jeweiligen Anbietergruppe selbst und nie deren Kunden. Natürlich wissen Klempner besser als andere, vor was ihre Kunden zu schützen sind. Trotzdem fällt es nicht leicht, nur altruistische Motive in den Bestrebungen dieser Berufsgruppe zu sehen, zu bestimmen, wer ein Klempner sein darf und wer nicht."

Literatur: Milton FRIEDMAN: Capitalism and freedom, Chicago 1982 (besonders das Kapitel "Occupational licensure"); Walter KRÄMER: Wir kurieren uns zu Tode, Frankfurt 1993 (besonders das Kapitel "Geschlossene Gesellschaft").

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